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Von Finnland nach Norwegen #37

Freitag 26. September

Brüllend donnern Flugzeuge über uns hinweg. Aus der Nähe hört man, wie ein Triebwerk getestet wird. Es ist unglaublich laut hier. Ich falle fast aus dem Bett. Um 07:00 Uhr ist die Nacht zu Ende. Wir liegen zwar noch weiter im Bett, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Was wir zu hören bekommen sind wohl startende und landende Militärflugzeuge. Auch die Reparaturwerft muss sich auf dem Flugplatz befinden. Da kam wohl das Treibwerksgeräusch her.

Langsam verlassen wir das Bett und beginnen unsere morgendliche Runde, die wir mit einem Frühstück beschließen. Der heutige Plan wird gemacht – der sieht nicht vor, dass wir noch eine Nacht hierbleiben. Wir wollen heute zurück, aber Richtung Norwegen. Die grobe Richtung ist die Stadt Alta.

Doch bevor es soweit ist, geht es noch mal ins „Dorf“. Ab 10:00 Uhr ist alles geöffnet und schließt ab 18:00 Uhr (Haben wir gemerkt).

Santa Claus Village am Tage ist natürlich etwas ganz anders. Es hat so das Feeling wie, wenn man mittags über einen Rummel geht. Unspektakulär. Aber trotzdem witzig. Die Shops bieten ihren Weihnachts-Merchandis und Souvenirs an. Ein, zwei Imbissbuden und natürlich ein Postamt. Alles voll mit Menschen. Die Meisten sind mit Bussen angefahren worden und ein paar Camper sind zu sehen. Wenn es kalt ist und hier Schnee liegt, wird man vor Menschen kaum treten können.

Wir besuchen ein Größeres Gebäude, das Weihnachtshaus, in dem der Weihnachtsmann sein „Büro“ und die Elfen Ihre „Werkstatt“ haben. Alles kostenfrei, nur die Souvenirs vom Polarkreis und ein Foto mit dem Weihnachtsmann muss man bezahlen. Die Besichtigung ist schon ein Erlebnis, da alles mit vielen Details und kleinen Überraschungen, wie das Schlüssellochgucken, versehen ist. Spoiler – hier können die Elfen und Wichtel bei der Herstellung der Geschenke beobachtet werden.

Kleine Geschichten in Form von Bildern werden erzählt. Videoschnipsel, in denen zu sehen ist, was der Weihnachtsmann das Jahr über macht. Die obligatorischen Postkarten dürfen auch nicht fehlen. Hier kommen wir nicht umhin uns ein paar zu kaufen und sie auch in die Briefkästen zu werfen. Davon gibt es zwei. Einem, an dem die Postkarte sofort und einem von dem die Sendungen erst in der Vorweihnachtszeit abgeschickt werden. Wir nutzen beide und sind gespannt.

Wieder draußen wenden wir uns Richtung Rentierstrecke und kommen an ein weiteres „Postamt“ oder die Erweiterung vom Ersten. Das ließ sich so auf die Schnelle nicht erkennen.

Wir sehen uns alles an. Bei den Rentieren ist nicht viel los. Zwei stehen und warten auf Besucher, die sich rundenweise in einem kleinen Wagen ziehen lassen wollen.

Über die Brücke kommen wir heute ins Café, es ist gut gefüllt. Von dort schlagen wir den Weg zu dem Bereich mit den Polarlichthütten ein. Die kegelförmigen Gebäude haben auf der Dachfläche Fenster gen Himmel und dadurch kann man wohl direkt vom Bett aus Polarlichter sehen. Das Hotel „Glass Resort“ beschreibt es jedenfalls so.

So langsam müssen wir zurück. Die Zeit vergeht und so verlassen wir das Dorf, nicht ohne noch einen Blick in den Santa Claus Food Market zu werfen. Auch hier gibt es Süßigkeiten und Souvenirs und auch Rentierprodukte in Form von Lebensmittel und Strickwaren. Glühwein gibt es auch, aber erst ab November mit Alkohol. 😉

Der Weg zu Hilde ist nicht weit und so geht alles ganz schnell. Viel vorzubereiten haben wir nicht. Die erste Station ist die Tankstelle schräg gegenüber vom Stellplatz auf der anderen Seite der E75.

Das Go kommt rechts und ich starte Hilde. Auf der Nebenstraße am Santa Claus Village vorbei bis zu Abfahrt, auf der wir die E75 queeren können. Kurzes Warten an der Ampel, links abgebogen und auf die Einfahrt zur Tankstelle achten. Alles geht gut und wir fahren auf die Tankstelle bis zum Ende wo die LKW-Zapfsäulen stehen. Der Dieseltank ist noch recht voll, aber AdBlue wäre mal wieder Zeit zu tanken. An der Säule kann ich direkt ranfahren und tanke das überaus wichtige AdBlue. Teuer ist es mit 1,64 €/l. Während ich so tanke kommt aus Hilde eine Schimpfkanonade sondergleichen. Kurzes Innegehen, was ich vielleicht wieder angestellt habe, aber da ist nichts was mir einfällt. Ich beende den Tankvorgang und steige wieder ein. Ein Blick nach hinten und schon bekomme ich die Erklärung. Das Bad steht unter Wasser, weil das Waschbecken bei der Abfahrt nicht entleert wurde. Wer auch immer der Letzte im Bad war – ich war es nicht – 😊hat vergessen das Wasser abzulassen.

Schnell fahre ich mit Hilde von der Zapfsäule ins hintere Eck der Tankstelle. Chrissi widmet sich nun der Überschwemmung mit vielen emotionalen Ausdrücken. Das Malheur ist schnell behoben und mit einer grummelnden Chrissi nimmt Hilde wieder Fahrt Richtung Norden auf. Das Wetter wird wieder besser, es hatte ein wenig genieselt bei 10 C°. So kann es weiter gehen. Langsam ist Chrissi auch wieder „unten“ und kann die Fahrt genießen. Zurück geht es auf der E75 bis zur Abfahrt auf die79. Diese führt uns hoch zur nördlichen Grenze über die E8 bis nach Ruijantie, wo wir die Grenze nach Norwegen überqueren wollen. Bis dahin bekommen wir noch sehr viel Landschaft zu sehen. Und je weiter nördlich wir kommen, um so mehr Rentiere bekommen wir zu Gesicht. Mittlerweile haben wir auch bemerkt, dass es Rentiere mit und viele ohne Halsbänder gibt. Ich hoffe, die ohne Halsbänder sind freie Rentiere. Die Landschaft ändert sich. Die Bäume werden wieder kleiner und die Flächen mit niederem Bewuchs werden mehr. Auch die kleinen Tümpel und Seen treten wieder häufiger auf und der Herbst hat schon viele Bäume mit bunten Farben bemalt.

Hinter der Grenze, die man nur an Hand der Schilder identifizieren kann, auf der norwegischen Seite sieht man so gut wie keine Bäume mehr.

Auf der Fahrt hierher diskutierten wir noch das Übernachtungsziel. Wir waren nicht sicher, ob wir es bis kurz vor Alta auf den dortigen Campingplatz schaffen oder uns vielleicht vorher schon einen Platz zum Übernachten suchen. Die Wahl fiel auf Letzteres und somit steuern wir Campsite Kautokeino, einen kleinen Wintersport Campingplatz am See Suohpatjávri, an.

Es ist noch hell und wir werden auf dem Platz freundlich empfangen. Chrissi organisiert uns den Aufenthalt, während ich mir den Platz aus Hilde heraus ansehe. Er ist einfach.  Zwei Holzterrassen für liegen einsam am Rand einer Böschung zum unteren Stellplatz am Wasser. Dort gibt es direkt am Wasser weitere Stellplätze mit Strom. Chrissi kommt zurück und die Weisung lautet einer der beiden Terrassen anzusteuern. Ich stelle Hilde genau dazwischen, es wird niemand erwartet.

Als wir uns hingestellt haben, weist uns die Chefin vom Platz darauf hin, dass wir doch unten am Wasser für uns allein stehen können. Dankend lehnen wir ab und sie zieht kopfschüttelnd, aber lachend weiter.

Wir treffen Vorbereitungen für das Abendessen. Das heißt vorher wird die Dusche aufgesucht, die wir für uns alleine haben. Diese ist im Preis inbegriffen und zeitlich nicht begrenzt. Nach einer ausgiebigen heißen Dusche sind wir wieder fit und das Abendessen ist dran. Kochen essen und Tag reflektieren dauern seine Zeit. Und so wundern wir uns nicht, dass die Sonne schon untergegangen ist und beenden wir den Tag voller Zuversicht auf schöne Erlebnisse, die noch kommen mögen.

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