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Ist denn schon Weihnachten? #36

Donnerstag 25. September

Etwas benommen stehen wir auf – der Abend war dann doch recht lang. Das morgendliche Ritual bringt uns wieder ins Leben zurück. Der Plan für heute steht – 400 km nach Rovaniemi in Finnland – wir wollen den Weihnachtsmann besuchen. Das Wetter ist wieder schön und so sind wir schnell abfahrbereit. Nach der üblichen Entsorgung geht es vom Camp links runter auf die 97, den Jokkmokksvägen.

Der erste Stopp erfolgt schon recht schnell, knapp 12 Km entfernt vom Arctic Camp, halten wir an der Artic Circle Crossing Line. Hier spielt das Wetter mit, die Sonne scheint bei blauem Himmel, wir können uns in Ruhe umsehen. Hier ist nicht viel los, kein Touri-Shop oder ein Restaurant wie an der E45 – selbst die Infotafeln kann man lesen. Wir schauen uns um und laufen ein paar Schritte. Hier wurde ein Pavillon in Form einer Pyramide gebaut. Wenn es mal regnet, kann man sich hier unterstellen. 😉

Nach der ausgiebigen Besichtigung nimmt uns die 97 wieder auf. Hilde verfällt in ihr monotones Brummen und wir genießen die Landschaft. Das Gespräch plätschert vor sich hin, nur unterbrochen von gegenseitigen Hinweisen zu bemerkenswerten Sichtungen.

Und dann queren sie wieder unseren Weg und ich muss anhalten. Rentiere! Gemütlich trotten sie an der Straße entlang und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Leise verlässt Chrissi den Wagen und pirscht sich an die Gruppe von vielleicht 10 Tieren.

Einige Fotos später geht es weiter Richtung Finnland. Nur hin und wieder ein Stopp bei Rentieren. Naja, für die Einheimischen ist das nichts Besonderes und sie sind wohl genervt, wenn wir immer mal wieder stoppen und sie vorbeimüssen. Aber was soll´s.

Hinter dem Rastplats Edefors fahren wir von der 97 auf die BD813, das soll die kürzeste Strecke nach Finnlannd sein. Die ersten 500 m ist das auch kein Problem. Da ist sie noch festgefahren und relativ eben. Was danach kommt ist ein wahrer Alptraum. Auswaschungen mit durchgängig Schlaglöscher und Bodenwellen. Wir versuchen die Zähne zusammen zu beißen und durchzufahren bis es besser wird. Da ich hier keine Linie finden kann, auf der wir nicht durchgeschüttelt werden, brechen wir dann ab. Ein Ende dieser Verhältnisse ist nicht in Sicht und es hat keinen Sinn hier weiter zu fahren. Wir sind keine Off-Roader – das gibt dann Hilde doch nicht her. Die Strecke mag zwar die Kürzeste sein, doch wir brauchen mindestens das Dreifache an Zeit bis zum Ziel.

Grummelig fahre ich den Weg zurück, links auf die 97 rauf und dann weiter mit erheblich besserem Fahrkomfort. Langsam kommt der Spaß wieder und die Landschaft entschädigt uns für den Umweg.

In Sanden fahren wir dann über die 383 auf die E10 und E4, bis Haparanda. Hier überqueren wir den Tomeälv und somit die Grenze zu Finland.

Der Grenzübertritt nach Finnland ist unspektakulär. Wenn die Markierungen nicht gewesen wären, hätten wir es nicht mal mitbekommen. Nach der Grenze geht es weiter bei immer noch blauem Himmel, der merklich dunkler wird. Nur eine kurze Tankunterbrechung auf der Strecke, dann geht es auch schon weiter. Und wieder begleiten uns die Rentiere. Mittlerweile nimmt die Sonne unweigerlich ihren Weg zum Horizont.

Auf der E8 geht es dann an Heikinjuntinperä vorbei auf die E75. In Muurola angekommen folgen wir der E75 am See Kemijcki. Hier finden wir einen Rastplatz, auf dem wir zu Abend essen. Die Pause ist nötig gewesen und so geht es ausgeruht weiter Richtung Norden.

Rovaniemi empfängt uns bei Dunkelheit, aber mit merklich stärkerem Gewusel auf der Straße. Und jeder Menge Blitzer. Manche von denen recht hinterhältig und weit weg vom Warnschild. Gemein! 😊

Der Weg zum Weihnachtsmanndorf ist nicht mehr weit. Nach wenigen Minuten und einer kurzen Irritation an einer Abfahrt, die habe ich falsch genommen, erreichen wir den Parkplatz vom Dorf. Dieser ist nicht sehr voll. Wir wählen einen Platz am Rand. Leider sind diese Stellen recht uneben und so zirkeln wir ein wenig hin und her, bis wir zwischen zwei Campern unsere Position gefunden haben. Kuschelcampen ist eigentlich von uns nicht erwünscht, doch hier ließ es sich leider nicht umgehen. Wir hätten sonst wo anders hinfahren müssen und dafür war ich nicht mehr bereit.

Nachdem Hilde also steht, ohne Stützen, machen wir uns auf dem Weg zum Dorf. Bei Dunkelheit sieht es doch bestimmt schöner als am Tage aus. Beim Loslaufen sehen wir schon die bunten Lichter. Es sind kaum Menschen unterwegs und die streben zu den noch offenen Restaurants.

Zu hören sind nur die benachbarte Straße mit den Auto´s und der in der Nähe befindliche Flughafen mit den startenden Flugzeugen. Ich bin auf die Nacht gespannt.

Alle Shops und Attraktionen sind geschlossen, bis auf eine Ausnahme. Der große Souvenir-Shop bietet in seinen weihnachtlich geschmückten Räumlichkeiten ein großes Angebot von Merchandis-Produkten. Vom Pullover über Mützen und Schals, Spielsachen und Plüschtieren, Weihnachtsdeckoration usw.. Wir stöbern und machen uns gegenseitig auf lustige Sachen aufmerksam. Eine Kleinigkeit zum Naschen und ein Glöckchen für Hilde finden den Weg in unseren Besitz. Wieder draußen schlendern wir die Wege entlang, bis wir an den geschmückten „Polarkreis“ kommen. Im Vorfeld hatten wir schon erfahren, dass diese Linie nicht dem wahren Breitengrad des Polarkreises entspricht – ist aber trotzdem schön.  Die Idee ist nicht schlecht und gut gemacht ist es auch. Die Weihnachtslieder dudeln über den Platz zwischen den Gebäuden und den beleuchteten Säulen, die den Polarkreis markieren. Trotz der warmen Temperaturen, es sind 14 C° und kein Schnee 😊, macht es schon eine seltsame Stimmung. Der Weg führt zu der Strecke, auf der die Rentiere am Tage die Besucher unterhalten. Eine kleine Holzbrücke führt über die Strecke. Auf der anderen Seite befindet sich ein Gebäude, dass ein Kaffee beherbergt. Langsam werden wir müde und so ziehen wir uns zurück und treten den Weg zu Hilde an.

In Hilde kehrt dann auch schnell Ruhe ein, mir fallen die Augen zu, für heute ist der Tag zu Ende. Ringsum wird es leiser, die Anzahl der Fahr- und Flugzeuge verringert sich, irgendwann schlafen wir dann auch ein.

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