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Fahrtage müssen auch mal sein #34

Sonntag, 21. September

Relativ zeitig mussten wir heute aus den Federn. Die morgendliche Routine und das Frühstück sind Pflicht, aber dann geht’s auch schon wieder auf die Piste. Weiter Richtung Norden, Süd- und Mittelschweden werden nur durchquert.

Rauf auf die E4 und immer der Nase nach. Es liegen circa 600 km vor uns. Der Ort Hudiksvall ist unser Ziel zum Übernachten. Auf diesem Stellplatz waren wir letztes Jahr schon einmal und fanden ihn so super, dass wir ihn als Zwischenziel festgehalten haben. Nach dem Tanken laufen die ersten 300 km wie geschmiert. Dann setzt der schon angekündigte Regen ein, ein böiger Wind kommt auch noch dazu – auch das kennen wir vom letzten Mal. Nach einer kurzen Pause und einer Tüte Lakritze, Hihi, wieder rauf auf die Piste. Da heute Sonntag ist, dachten wir, die Straßen wären eigentlich leer. Falsch gedacht. Kurz vor Stockholm überraschen uns viele viele Autos, die wohl ihren Sonntag ausgiebig nutzen wollen. Gut eine halbe Stunde basteln wir uns durch den Stadtverkehr in Stockholm. Immer weiter auf der Piste E4 E20 bis Hudiksvall, kurz an der Tanke halten, den örtlichen Lidl besuchen und endlich ab zum Stellplatz, Ziellinie um 15:30 Uhr erreicht.

Hilde ausrichten, ein kurzes Hin und Her, dann Hubstützen raus und Strom ein gestöpselt. Während dessen setzt Chrissi Kaffeewasser auf und macht lecker Kaffee. Mit den frisch erstandenen Zimtschnecken wird alles schnell vernichtet. Danach heißt es Kocharena. Als erstes schickt Chrissi Andy zum Duschen, damit sie in Ruhe Nudeln und Würstchengulasch zubereiten kann. Gegen 19:00 Uhr ist das Meiste erledigt und das Abendessen kann eingenommen werden. Nach diesem leckeren Mahl „rollen“ wir gemeinsam zum Abwasch, der erledigt sich leider nicht von selbst. Danach ein bisschen in Hilde aufräumen und den Abend ausklingen lassen. Ich mache noch schnell eine kurze Runde über den Platz, aber gehe recht schnell wieder zurück. Brrr… da draußen sind nur 13° C. Andy beobachtet das ganze vom Beifahrersitz aus.

Bevor wir die wohlverdiente Bettruhe genießen, wird noch der kurze Plan für morgen geschmiedet. Wir werden weiter Richtung Jokkmokk fahren.

Mit einem kleinen Baileys beschließen wir den Tag. Gute Nacht Chrissi, gute Nacht Andy und gute Nacht Hilde. Gute Nacht Jim-Bob, ach nee, der fährt nicht mit. 😊

 

Chrissi

Montag 22. September

Die Nacht war ruhig. Es hat hin und wieder ein wenig getröpfelt. Frisch ist es in Hilde. Laut Chrissi sind hinten überm Bett aber 22°C. Das ist etwas irritierend, da das vordere Thermometer nur 14°C anzeigt. Dann die Korrektur von hinten, es sind dort 16°C, das vorher war das Datum auf der Uhr. Ah ja, da fehlt wohl der Kaffee 😊

Aber auch der Campingplatz hat ein Problem, es gibt kein Wasser. Weder für das Klo noch für die Dusche oder die Trinkwasserversorgung. Die Camper, die schon länger draußen sind zucken auf Anfrage nur mit der Schulter. Also ruft Chrissi „Rickert“ an, der das schnell in Ordnung bringen will. Sein Versprechen hat er gehalten, in der nächsten halben Stunde ist das Wasser wieder da. Schnell den Service genutzt und mit etwas Verspätung verlassen wir den Platz.

Wie es sich gehört, setzt dann wieder der Regen ein, der sich dann noch mit starkem Wind paart. Das macht das Fahren nicht einfacher.

Unterwegs begegnen uns dann immer wieder kleinere Herden von Rentieren, die am Straßenrand grasen oder einfach nur entlangwandern. Von rechts kommt schon wieder das Kommando STOPP und „fahr mal zurück“. Dann fliegt die Beifahrertür auf und raus ist sie, die Chrissi. Wenn sie könnte, würde sie ein Stück mitwandern. So bleibt es aber nur beim Fotografieren. Die Zeit vergeht und wir kommen nicht ganz so schnell voran.

Der Himmel wird dunkler und nicht nur von den Wetterwolken. Die Tankstelle in Arvidsjaur laufen wir an, Hilde hat Durst. Dann fahren wir noch ein kleines Stück bis zu einem nahegelegenen Sportplatz, auf dem wir letztes Mal auch schon super übernachtet haben. Im Dunkeln sehen wir zwei Camper, einen Deutschen und einen Schweitzer und stellen uns in einigem Abstand zwischen sie. Ganz im äußersten Eck steht noch ein PKW, der vollgepackt scheint, aber ein kleines Licht, wie eine Leselampe oder ein Handy scheint im Inneren. Aus Erfahrung in Island wissen wir, dass das auch ein „Camper“ ist. Die fahren allerdings von Campingplatz zu Campingplatz, um im Mobilhome zu übernachten. Freistehen ist da eher selten angesagt. Hilde hinstellen und alles für den Abend vorbereiten. Nach der Fahrerei laufen wir noch ein wenig über den Platz und schauen in den Sternenhimmel.

Da es frisch ist und ich müde bin, gehen wir wieder rein und versuchen den Abend ausklingen zu lassen. Das wird sabotiert, denn irgendwann hören wir das Klappen einer Aufbautür von unserem Nachbarcamper. Dann aufgeregtes Sprechen, aber wir verstehen nichts. Chrissi streckt ihren Kopf aus der Aufbautür und dann wird es hektisch. Die Aufregung gilt den Polarlichtern, die sich über uns im dunklen Himmel abzeichnen. Es sind dieses Jahr die Ersten, die wir zu sehen bekommen. Sie sind zwar nur schwach zu erkennen, aber es kann sich noch entwickeln. Chrissi steht in der Kälte und fotografiert sie. Ich sehe mir das Spektakel durch unser Skyfenster an bis mir die Augen zuklappen. Ich kann nicht mehr und gehe ins Bett. Später, ich schlafe noch nicht ganz, kommt dann auch Chrissi wieder rein und findet dann auch den Weg ins Bett. Ein kurzer Bericht über die Ereignisse vor der Tür – dann wird es still und wir versinken in unsere Träume.

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