Samstag 27. September
Der Morgen beginnt mit leisen Tönen der Natur, der Wind und ein Vogel sind zu hören. Wir haben gut geschlafen, sind ausgeruht und freuen uns auf den Tag. Nach einem ausgiebigen Frühstück wird ein Plan für den heutigen Tag geschmiedet. Es soll nach Alta gehen. Dort wollen wir uns die Polarlichtkathedrale und eine alte Kirche ansehen. Abends wollen wir dann wieder hierher zurück. Das „Campsite Kautokeino“ am See „Suohpatjávri“ ist wirklich sehr schön und ruhig gelegen. Außerdem sind wir die einzigen Camper am Platz und von den ansässigen Dauercampern ist niemand zu sehen. Das wird sich erst ändern, wenn in Hammerfest die Skisaison beginnt. Dann ist der Platz wohl proppenvoll und man bekommt keinen Platz. Bis dahin ist noch etwas Zeit und können wir ohne Bedenken unseren Plan angehen.
Bevor es losgeht drehe ich mit Brumsel noch einige Runden über den See. Die Bedingungen sind einfach zu schön als dass man sie ungenutzt lässt.
Und los geht sie, die Fahrt nach Alta. Die 145 km auf der E45 führen uns durch verschiedene Topologien. Höher gelegen als der Meeresspiegel, dennoch durch eine Ebene. Dann geht es durch Canons, durch die Straße mit unterschiedlich Steigungen, teilweise von 14%. Hilde kommt damit gut klar und schiebt sich immer weiter voran. Links und rechts die Felswände und neben der Straße ein Bach. Absolut wunderschön das Ganze. Nach einer Weile „spuckt“ uns der letzte Canon aus. Wir fahren durch hügeliges Gebiet und drei weitere Tunnel – das Wetter ist super.
Wir erreichen Alta. Eine typische skandinavische Stadt. Alt- und Neubau nebeneinander. Straßen top – es sind nur 40 km/h erlaubt. Teilweise sogar nur 30 Km/h auf der Hauptstraße. Das stört uns überhaupt nicht, können wir das super entspannt genießen.
Die Parkplatzsuche gestaltet sich etwas kompliziert. Wir wollen nicht lange bleiben, nur kurz ein paar Fotos machen, aber es gibt keine kostenlosen Parkplätze. Laut Park4Night gibt es eine Parkmöglichkeit, die 15 Min zu Fuß von der Kathedrale entfernt ist. Wir fahren diese an und landen, nach einem Fehlversuch die Abfahrt zu finden, auf einer Feldstraße neben einem Gehöft oder Lager o.ä.. Den eigentlichen Parkplatz erreichet man über einen unbefestigten und aufgeweichten Weg. Wir entscheiden uns dagegen. Wir wollen trockenen Fußes den Rundgang bestreiten – und in Gummistiefeln die ganze Zeit rumzulaufen haben wir auch keine Lust.
Wir entscheiden uns doch auf dem Bezahlparkplatz neben der Kathedrale zu parken. Dort angekommen sehe ich noch mal auf dem Handy nach, ja man kann hier auch mit Easypark bezahlen. Bevor ich den Parkvorgang einleiten kann sieht Chrissi einen Parkautomaten. Wir haben noch norwegische Kronen und hier könnten sie zum Einsatz kommen. Schon ist Chrissi raus und am Automaten und kommt mit dem Parkticket in der Hand wieder zurück.
Nun sind wir bereit uns der Nordlichtkathedrale von Alta zu widmen. Sie ist wohl die größte Kirche von Alta. Sie ist 47 m hoch und wurde von 2011 bis 2013 gebaut. Eigentlich wurde der Grundstein schon 1999 gelegt, nachdem Alta offiziell zu Stadt erklärt wurde. Durch Änderung des Standorts wurde das wieder abgeblasen. Erst 2011 wurde am jetzigen Standort der Bau in Angriff genommen und 2012 wurde der Grundstein erneut gelegt. (laut Wiki)
Betreten können wir die Kathedrale heute nicht, da eine Hochzeit im vollen Gange ist und wir drinnen eh nicht fotografieren können. Wir umrunden das Gebäude und machen viele Fotos. Dann wenden wir uns ab und suchen die alte Kirche, deren Glockenturm wir schon bei der Fahrt hierher gesehen haben.
Es ist warm und nach wenigen Metern ziehe ich schon meine Jacke aus. Ein, zwei Querstraßen weiter sehen wir auf der rechten Seite die Kirche mit ihrem Friedhof. ………… auf der anderen Straßenseite, etwas versetzt zu den Wohnhäusern, einen fast leeren Parkplatz. Dieser wird nicht bewirtschaftet- also kostenlos. Wir sehen uns an und verdrehen die Augen. Den hätten wir auch nehmen können. Aber hätte, hätte … wir reden uns ein, dass wir der ansässigen Gemeinde etwas Gutes getan haben.
Auch diese Kirche wird gerade von einer Hochzeitsgesellschaft bevölkert und dadurch ist es recht schwierig einige Ansichten zu erhaschen. Chrissi bekommt es aber hin ohne zu stören, ihre Fotos zu machen. Allerdings wieder nur von außen. Nun ja, heiraten geht wohl vor. 😉
Der Nachmittag ist angebrochen und wir machen uns langsam auf den Rückweg. Uns kommt die Idee noch den Talbay Krater zu besuchen und in den Canons einige Aufnahmen zu machen. Die Drohne soll dort mal in die Luft und das möglichst noch bei diesem schönen Licht.
Also raus aus der Stadt zum Krater. Nach einem der drei Tunnel kommt eine Brücke, wo wir anhalten. Brumsel dreht hier einige Runden. Dann der nächste Halt im Canon. In einer Haltebucht stoppen wir und ich lasse die Drohne in die Luft. Die Sonne hat schon den Weg zum Horizont angetreten und die goldenen Strahlen tauchen die Umgebung in ein warmes Licht. Die Schatten werden auch länger. Es werden super Aufnahmen.
Es fängt langsam an zu dämmern und wir machen uns nun endgültig auf den Rückweg. Hilde brummt ihr monotones Lied und wir lassen unsere Eindrücke Revue passieren.
Auf dem Campingplatz „Campsite Kautokeino“ angekommen, stellen wir Hilde wieder auf demselben Platz wie letzte Nacht. Ausrichten, Strom anschließen und für den Abend vorbereiten. Dann Abendessen.
Der Himmel bietet nur wenige Schleierwolken, doch laut Wetter App soll es sich zuziehen. So richtig können wir uns das nicht vorstellen, da die Wolken mit jedem Blick zum Himmel immer wieder weniger werden. Ich nehme mir vor, mein Projekt „Galaxy am nächtlichen Himmel“ in Angriff zu nehmen. Mit den wenigen Wolken am Himmel bildet das vielleicht einen schönen Kontrast zu den sichtbaren Sternen und der sich über uns hinwegbewegenden Milchstraße. Auch Chrissi baut Ihre Stative auf, um das eine oder andere Nachtfoto zu machen. Mittlerweile ist es stockdunkel. Und wie zum Hohn bilden sich grüne Lichtschleier in genau der entgegengesetzten Richtung vom Wasser. Also quasi hinter uns. Chrissi macht ein säuerliches Gesicht, da in dieser Richtung die Scheinwerfer des Camps blenden. Ich denke noch kurz, dass ich Glück habe und beginne mit dem Fotografieren. Das Glück hält nur wenige Sekunden und der Himmel fängt an zu leuchten. Die Galaxy ist nicht mehr zu sehen, nur noch lichtstarke Sterne sind auszumachen. Dafür ist das folgende Spektakel unglaublich. Wir fotografieren was das Zeug hält. Viele Fotos, sehr viele Fotos 😊 werden gemacht. Irgendwann gebe ich auf und ziehe mich in Hilde zurück, um das Spektakel am Skyroof zu verfolgen. Einige Zeit später ist Chrissi fertig und kommt wieder rein – durchgefroren, aber mit einem zufriedenen Gesicht.
Und so geht auch dieser Tag zu Ende. Die Zeit ist schnell vergangen, aber sie ist gefüllt mit Eindrücken, die uns keiner nehmen kann. Gute Nacht.